Die Unausweichlichkeit von RPA im Finanz- und Rechnungswesen – Der Wandel von Fachkräften

Teil 1 von 3

Über die nächsten fünf Jahre wird in vielen Wirtschaftszweigen eine große Veränderung stattfinden, die Auswirkungen auf hunderttausende von Mtarbeitern im Finanz- und Rechnungswesen haben wird. Der Charakter unserer Branche und die Abläufe des Tagesgeschäfts werden sich grundlegend ändern, wenn manuelle, vom Menschen ausgeführte Prozesse durch regelbasierte Automatisierungstechnologie, maschinelles Lernen und letztendlich kognitive Automatisierungstechnologie ersetzt werden.

Das Ziel dieser dreiteiligen Serie ist es, die drei Hauptströmungen dieser Transformation zu identifizieren und fortschrittlich denkende Finanz- und Buchhaltungsexperten mit der kommenden Realität vertraut zu machen. In diesem Teil der Serie betrachten wir die demografischen Veränderungen am Arbeitsmarkt und die Probleme, die sich daraus für institutionsinterne Kenntnisse und über Jahre angesammeltes Fachwissen ergeben.

Es gibt drei grundlegende Trends, die eine Rolle in der sich verändernden Demografie in der globalen Arbeiterschaft spielen und die sich auf das Finanz- und Rechnungswesen auswirken:

I. Alternde Arbeitskräfte

Nach einer Studie des Bureau of Labor Statistics (BLS) von 2015 wird die Arbeiterschaft immer älter. Das durchschnittliche Alter beträgt in den USA 41,9 Jahre und es wird erwartet, dass es im Jahre 2024 auf 42,5 ansteigen wird. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Erwerbsquote von 62,9% auf 60,9% sinken wird. Der Grund für diese Veränderungen ist das Altern und das letztendliche Ausscheiden der Baby-Boomer-Generation aus dem Arbeitnehmerpool, d.h. der Teil der Bevölkerung, der zwischen 1947 und 1964 geboren ist. Auch in Deutschland sind in den Nachkriegsjahren viele Baby-Boomer zur Welt gekommen. 2014 wurde der Geburtenreichste Jahrgang 1964 50 Jahre alt, dementsprechend werden auch in Deutschland Tausende Arbeitnehmer in den kommenden Jahren die berufstätige Bevölkerung verlassen. Das Ausscheiden dieser großen Kohorte vom Arbeitsmarkt beschleunigt sich stetig und setzt Unternehmen unter Druck.

II. Der Einzug der Millennials

Generation Y, auch als Millennials bezeichnet, ist die Bevölkerungskohorte, die zwischen 1981 und 1997 geboren ist und deren Lebenserfahrung von Ereignissen der späten 1990er und frühen bis mittleren 2000er Jahre geprägt wurde. Diese Bevölkerungsgruppe tritt dem Arbeitsmarkt mit sich beschleunigendem Tempo bei. Laut Pew Research haben die Millennials die Baby-Boomer und Generation X (geboren zwischen 1965 und 1981) als die größte Kohorte am US Arbeitsmarkt überholt. Generell ist es positiv zu bewerten, wenn eine neue Generation dem Arbeitsmarkt beitritt und eine ältere Generation ablöst. Jedoch ist Generation Y anders als ihre Vorgänger. Da sie mit Technologie aufgewachsen ist und Arbeit eher als eine Transaktion versteht, bilden sich interessante Dynamiken:

  • Eine Gallup Poll Umfrage von Mai 2016 hat ergeben, dass 60% aller Millennials bereit für einen neuen Job sind.
  • Laut derselben Umfrage haben fast 25% der Millennials im Vorjahr den Job gewechselt; das ist drei Mal so viel wie die Anzahl von Nicht-Millennials, die den Job gewechselt haben.
  • Gallup hat außerdem herausgefunden, dass sich nur 3 von 10 Millennials als „auf ihre Arbeit fokussiert” bezeichnen würden – ein Wert, der weit unter dem traditionellen Wert liegt.

Es ist also kein Wunder, dass die Mitglieder der Generation Y auch als „Konsumenten des Arbeitsmarkts“ angesehen werden. Welche Schlüsse können wir aus diesen Daten ziehen? Unternehmen sollten sich auf wechselhafte Arbeitskräfte vorbereiten, da die Millennials die Beziehung zu ihrem Arbeitgeber eher als eine Transaktion ansehen. Daraus ergibt sich der dritte Trend, der sich auf das Finanz- und Rechnungswesen auswirkt.

III. Der Wegfall von institutionellem Wissen

Aufgrund des Wandels im Arbeitnehmerpool und der legereren Beziehung der Millennials zu ihrem Arbeitgeber droht vielen Unternehmen der Wegfall von Fachwissen und institutionsinternen Kenntnissen. Es ist kein Geheimnis, dass Finanz- und Rechnungswesensexperten sich sehr auf manuelle Prozesse und Office-Automatisierungstools wie Microsoft Excel verlassen haben, um den Monatsabschluss auszuführen. Eine Studie der Financial Executives Research Foundation und Robert Half hat ergeben, dass 66% aller Unternehmen ihre Hauptbuchkonten immer noch manuell abstimmen. Der Abstimmungsprozess beruht auf der Expertise und den institutionellen Kenntnissen von eingespielten Fachkräften. Im Anbetracht des Fachkräftewandels ist es daher eine Herausforderung für Unternehmen, sicherzustellen, dass ihre internen Prozesse weiterhin reibungslos und fehlerfrei ablaufen – die Mitarbeiter mit jahrelanger Erfahrung verlassen das Unternehmen und die neuen, jungen Mitarbeiter sind nicht bereit dazu, sich voll in ihre Arbeit zu vertiefen. Heutzutage sind die Sicherung und die Weitergabe institutionellen Wissens Prioritäten vorausdenkender Führungskräfte. Die Harvard Business Review hat in dieser Hinsicht einige Best-Practices identifiziert. Jedoch müssen wir uns überlegen, wie wir das Fachwissen im Finanz- und Rechnungswesen sammeln und sichern wollen, damit wir es auf die beste Art und Weise weitergeben können.

In unserem nächsten Blog beantworten wir die Frage, warum Unternehmen gerade jetzt dafür bereit sind, den aufkommenden Trend der Robotic Process Automation zu nutzen.

Von Ben Cornforth